Rückblick: Kulturfinanzierung Rhein-Main-Region: Kompromiss auf tönernen Füßen
Wer gestaltet ein tragfähiges Fundament für die Zukunft?
(09.03.2007,
Museum für Kommunikation, Frankfurt)
Jahrelang haben die Kommunen im Rhein-Main-Gebiet um die Verteilung der
Gelder für die Kultureinrichtungen gestritten. Doch in der Ablehnung des vom
Ministerpräsidenten Koch angedrohten Kulturpflichtverbandes war man sich
selten so einig. Eine Mediatorengruppe hatte Ende 2006 einen gangbaren Weg
gefunden. Damit scheint der angedrohte Kultur-Zwangsverband vom Tisch zu
sein. Jedoch konnte die Kulturmediation nur kleine Brötchen backen. Die
Diskussion in den Städten und Gemeinden dürfte jetzt erst richtig beginnen.
Fest steht, dass die Kulturförderung in der Region nach einem
„Zwei-Schienen-Modell“ erfolgen soll: Von 2008 an werden Städte und Kreise
im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main 2,50 Euro je Einwohner für regionale
Kulturprojekte zur Verfügung stellen. Das Land wird diese Summe durch Mittel
aus dem Landeshaushalt und dem Kommunalen Finanzausgleich verdoppeln. Von
2011 an soll der Betrag dann auf fünf Euro pro Kopf erhöht werden.
Der kommunale Beitrag von 2,50 Euro wird aufgeschlüsselt. 50 Cent je
Einwohner fließen in die vor einem Jahr gegründete gemeinnützige
Kulturregion Frankfurt RheinMain gGmbH, die sich um die Vernetzung
bestehender Einrichtungen und regionale Projekte bemüht. Der Betrag von zwei
Euro fließt zusammen mit den 2,50 Euro des Landes in einen neu zu gründenden
Kulturfonds, aus dem ausschließlich kulturelle Großereignisse, die eine
internationale Ausstrahlung über das Rhein-Main-Gebiet hinaus haben sollen,
finanziert werden.
Dass der Kompromiss auf tönernen Füßen steht, zeigte sich an den bisherigen
Reaktionen. Nicht nur der künftige Teilnehmerkreis ist ungewiss. Kulturfonds
und Kulturgesellschaft stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Kritiker der
Kulturzusammenarbeit wie zum Beispiel der Bürgermeister aus Offenbach
befürchten nach wie vor eine finanzielle Überforderung ihrer Kommune. Der
Frankfurter Kulturdezernent sprach sich wiederholt für den Kulturfonds aus.
Fragen tauchten genügend auf. Bringt das erarbeitete Modell die
Metropolregion voran? Wer gestaltet ein tragfähiges Fundament für die
Zukunft? Welche Rolle spielt das Engagement der Wirtschaft und der
zahlreichen Kulturinitiativen? Führt das Zwei-Schienen-Modell in einen
Bahnhof oder wohin geht die Reise? Diese und andere Fragen wurden im Podium
diskutiert.
Bei allen Differenzen war man sich am Schluß einig: Auch wenn sich nicht
alle Städte beim Kulturfonds beteiligen, müsse man einfach beginnen und
weitere Partner nach und nach dazugewinnen.
Fotoimpressionen
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