Sandip Shah, 34,
absolvierte die Städelschule bei Hermann Nitsch und lebt und
arbeitet seither in Darmstadt und Frankfurt. In seiner
künstlerischen Arbeit kombiniert er immer wieder Malerei,
Video und Installation.
Vor einem Jahr bezog er im
Frankfurter Bahnhofsviertel im „ATELIFRANKFURT“ einen
kleinen Arbeitsraum. Die umtriebige Großstadt, hektisch,
laut, multikulturell und pulsierend inspirierte Shah, der
schon immer in seinen Werken gesellschaftliche Bezüge
herstellt, zu einem neuen Projekt.
Viele Monate nahm er im
dortigen ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidium die längst
verlassene Pförtnerloge in Beschlag und ersetzte den
fehlenden Portier durch eine Überwachungskamera. Eine
Kommunikation zwischen Mensch und Maschine entstand. Das
inszenierte „Sicherheitsbüro“ war geboren. Jeder, der durch
die Eingangstür des Gebäudes ging, wurde in dieser
Kunstaktion öffentlich sichtbar gefilmt und zugleich auf
einem Monitor mit seiner Eitelkeit konfrontiert.
Der Künstler spielt in
dieser Arbeit auf den zunehmenden Überwachungswahn in
unseren Städten an und schlüpft selbst in die Rolle der
kontrollierenden Staatsmaschinerie. Dabei verknüpft er das
Orwellsche Phänomen „big brother“ mit dem menschlichen
Narzissmus und der Sehnsucht nach einem superstar-feeling.
Aus dem ortsbezogenen
Videoprojekt zieht Shah parallel unzählige Videostills. Aus
diesen vergrößert er dann kleine gesichtslose Phantombilder,
die er später teilweise bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert.
Es entstehen von Pixel durchsetzte blow-ups, Zerrbilder der
Persönlichkeit.
In seiner facettenreichen
Ölmalerei - Schicht um Schicht - erhalten diese in digitalen
Lichtimpulsen aufgezeichneten Menschen eine neue Identität.
Ruhelose, geschäftige Personen werden verschwommen auf
Bildtafeln gebannt, Personen, die unaufhörlich Türen
durchschreiten, um von einem Raum in den anderen zu
gelangen. Schnittstellen einer von Ortswechsel getriebenen
Gesellschaft.
Der Künstler interpretiert
seine „Opfer“ stets getarnt. Es entstehen lebendige
Kraftfelder in lauten, flackernden Farben, verschlüsselt und
voller komplementärer Spannung. Damit schafft Sandip Shah
ein Genrebild unserer Zeit.
Die Inszenierung des
mobilen Sicherheitsbüros wurde bereits in mehreren Häusern
aktuell durchgeführt. Auch dieser Ort wird mit Genehmigung
zeitweise durch den Künstler überwacht.