Kulturfinanzierung Rhein-Main-Region: Kompromiss auf tönernen Füßen. Wer gestaltet ein tragfähiges Fundament für die Zukunft?

Rückblick

Jahrelang haben die Kommunen im Rhein-Main-Gebiet um die Verteilung der Gelder für die Kultureinrichtungen gestritten. Doch in der Ablehnung des vom Ministerpräsidenten Koch angedrohten Kulturpflichtverbandes war man sich selten so einig. Eine Mediatorengruppe hatte Ende 2006 einen gangbaren Weg gefunden. Damit scheint der angedrohte Kultur-Zwangsverband vom Tisch zu sein. Jedoch konnte die Kulturmediation nur kleine Brötchen backen. Die Diskussion in den Städten und Gemeinden dürfte jetzt erst richtig beginnen.

Fest steht, dass die Kulturförderung in der Region nach einem „Zwei-Schienen-Modell“ erfolgen soll: Von 2008 an werden Städte und Kreise im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main 2,50 Euro je Einwohner für regionale Kulturprojekte zur Verfügung stellen. Das Land wird diese Summe durch Mittel aus dem Landeshaushalt und dem Kommunalen Finanzausgleich verdoppeln. Von 2011 an soll der Betrag dann auf fünf Euro pro Kopf erhöht werden.

Der kommunale Beitrag von 2,50 Euro wird aufgeschlüsselt. 50 Cent je Einwohner fließen in die vor einem Jahr gegründete gemeinnützige Kulturregion Frankfurt RheinMain gGmbH, die sich um die Vernetzung bestehender Einrichtungen und regionale Projekte bemüht. Der Betrag von zwei Euro fließt zusammen mit den 2,50 Euro des Landes in einen neu zu gründenden Kulturfonds, aus dem ausschließlich kulturelle Großereignisse, die eine internationale Ausstrahlung über das Rhein-Main-Gebiet hinaus haben sollen, finanziert werden.

Dass der Kompromiss auf tönernen Füßen steht, zeigte sich an den bisherigen Reaktionen. Nicht nur der künftige Teilnehmerkreis ist ungewiss. Kulturfonds und Kulturgesellschaft stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Kritiker der Kulturzusammenarbeit wie zum Beispiel der Bürgermeister aus Offenbach befürchten nach wie vor eine finanzielle Überforderung ihrer Kommune. Der Frankfurter Kulturdezernent sprach sich wiederholt für den Kulturfonds aus.

Fragen tauchten genügend auf. Bringt das erarbeitete Modell die Metropolregion voran? Wer gestaltet ein tragfähiges Fundament für die Zukunft? Welche Rolle spielt das Engagement der Wirtschaft und der zahlreichen Kulturinitiativen? Führt das Zwei-Schienen-Modell in einen Bahnhof oder wohin geht die Reise? Diese und andere Fragen wurden im Podium diskutiert.

Bei allen Differenzen war man sich am Schluß einig: Auch wenn sich nicht alle Städte beim Kulturfonds beteiligen, müsse man einfach beginnen und weitere Partner nach und nach dazugewinnen.

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